Die gepackten Koffer stehen hinter mir; nur noch Laptop und der Krempel, den ich für morgen früh benötige, sind noch draußen. 27 Kilo plus 15 Kilo Handgepäck (erlaubt: 20 + 5); mal gucken, wie ich damit durch komme.

Morgen werde ich dich also verlassen.

Ich werde dich vermissen. Ich werde deine großartigen Landschaften vermissen, den Wind, der durch die Straßen weht, und ja, auch die Hitze. Mir werden die freundlichen Menschen in deinem Land fehlen, die für Fremde immer ein Lächeln übrig haben und dich einfach so auf einen Tee einladen.
Mir wird das Gewusel in Downtown fehlen, der chaotische Straßenverkehr, der ja doch ganz relaxed funktioniert, und die Taxifahrten, die einen für wenig Geld überall hinbringen (auch wenn man zwischendurch schonmal korrigieren muss).
Ich werde vermissen, wie mir morgens schon die “Mittagssonne” ins Gesicht scheint, und wie im Abendlicht die Drachen über der Stadt schweben. Mir wird der wunderbare Gesang der Muezzine fehlen, wie er mehrstimmig durch die Täler zieht.
Mir wird die Aussicht von deinen Hügeln fehlen, die Palmen und Ölbäume und die vielen kleinen gemütlichen Cafés. Ich werde die grandiosen Fruchtcocktails vermissen, die man überall bekommt, das frische Obst (mit Geschmack!) aus den kleinen Läden an der Ecke; und dass Orangensaft, den man bestellt, grundsätzlich frisch gepresst ist.
Dein Essen wird mir fehlen; das Fladenbrot, der Hommous, und die gefüllten Teigtaschen, deren Name ich mir nicht merken kann. Die Salate, der Reis mit Rosinen und den gegrillten Käse.
Ich werde es vermissen, dass meine erste Aktion nach dem Betreten der Wohnung ist, meine Socken auszuziehen.

Aber ich freue mich auch darauf, nach Hause zu kommen.
Auf grüne Bäume und saftige Wiesen. Darauf, mal durchatmen zu können, ohne Diesel, brennendes Plastik oder möchte-man-gar-nicht-wissen in der Nase zu haben. Ich freue mich auf saubere Straßen, deren Bürgersteige man benutzen kann und die nicht mit undefinierbaren Flüssigkeiten bedeckt sind, und darauf, dass nicht überall Müll in der Gegend rumliegt.
Ich freue mich auf anständiges Brot mit leckerer Salami. Auf Fleisch ohne Knochen und Sehnen, und auf saftigen Schweinebraten. Auf Wasser, dass man aus der Leitung trinken kann.
Ich freue mich darauf, bis spät abends draußen sitzen zu können, am Rhein zu grillen, und mit meinen Freunden in der Kneipe ein Bierchen zu trinken.
Und ja, ich freue mich auch auf einen brauchbaren Rechner mit anständiger Internetanbindung, bei der E-Mails abholen nicht zu 85% aus Warten und 10% aus Beten besteht.
Ich freue mich darauf, in kurzer Hose rumlaufen zu können, ohne mir unangemessen gekleidet vorzukommen und auf ein Bett, das lang genug ist.

Ich freue mich auf meine Freunde und meine Familie, und selbstredend freue ich mich am allermeisten darauf, endlich wieder bei Astrid zu sein.
 
 
Es war eine wunderbare Zeit hier. Ich habe viel Spass gehabt, viel gesehen und erlebt, aber auch nicht zu knapp gearbeitet. Trotzdem war es entspannend, hier zu sein, und die Zeit nach der Arbeit voll auskosten zu können, weil ich die Alltagssorgen größtenteils in Deutschland lassen konnte.
Dass es hier so schön war und nicht langweilig, wie ich vorher befürchtet hatte (weil ich dachte, ich würde alleine wohnen), dürfte zu großen Teilen an der charmanten, sympathischen jungen Dame aus Österreich gelegen haben, die meine Einstellung zu Tourismus, Stadt angucken, Einkaufen und vielem anderen teilt; mit der ich die Stadt bis in den kleinsten Winkel erkundet hab und abends wen zum Labern und Rumalbern hatte. Danke, Julia.
Auch dass die Studenten so eine harmonische Gruppe waren, die sich gerne durchmischt hat, hat durchaus dazu beigetragen, dass Vorlesung wie Ausflüge unglaublich Spass gemacht haben; auch die Organisation letzterer von Fawwaz hat wohl einen ordentlichen Anteil daran. Danke auch dafür.
 
 
Du bist ein großartiges Land, von dem ich bei weitem noch nicht genug gesehen habe. Ich werde bestimmt irgendwann wiederkommen.


Ma’a al-salamah, Urdunn,
wada’an, Amman,
ela al-leqa’a.

 
Auf Wiedersehn, Jordanien,
tschüss, Amman,
bis bald.

 
 
 
 


Der Soundtrack zum Text, wie er mich auch schon bei der Abreise aus der Mongolei begleitet hat:
(Ja, ich sentimentalisiere hier rum)