Ich war am Wochenende in Marburg.
Eine nette kleine Stadt, hübsch gelegen im schwer zu erreichenden Nichts im Lahntal, mit einem Schloß, dass über einer hübschen historischen Altstadt trohnt. Und mit vielen Treppen. Wie Jacob Grimm schon sagte:


Marburg

(Wobei ich das mit dem “häßlich” nicht ganz unterschreiben kann).
 
Die meisten (aber längst nicht alle) dieser Tausend TreppenTM befinden sich in kleinen, urigen Gassen, was der Altstadt (bzw. “Oberstadt”) noch einen Tick mehr Flair verleiht.
Zwar hat Marburg eine ansehnliche Liste bekannter Persönlichkeiten (was nicht zuletzt auf die Universität zurückzuführen ist), jedoch scheint sich die Stadt vor allem auf die Brüder Grimm zu konzentrieren, die lediglich wenige Jahre dort verbracht haben. Als Folge findet man im gesamten (Alt-)Stadtgebiet Anspielungen auf verschiedene Grimm-Märchen, wie 7 überdimensionale Fliegen an einer Hauswand oder einen Eselhintern, aus dem gerade Goldstücke fallen. (Was mich sehr an Bonn mit seiner Versteifung auf Beethoven erinnert, der zwar hier geboren und aufgewachsen ist, aber den Rest seines Lebens in Wien gelebt und gewirkt hat.)
 
Leider war es am Samstag (wo wir den Touri-Tag gemacht haben) ziemlich neblig in der Stadt, was die Möglichkeit, schöne Fotos zu machen, doch recht stark eingeschränkt hat.

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Wir haben uns natürlich noch ein paar Sehenswürdigkeiten angeguckt. Zuerst die Elisabethkirche, die älteste gotische Kirche Deutschlands, die die Unterstadt Marburgs dominiert. Wirklich bemerkenswert fand ich an der recht schlichten Kirche allerdings nicht viel, bis auf die sehr große und sehr neue Orgel. Sie sieht zwar wirklich sehr schick aus, ist aber sehr modern gestaltet und passt in diese Kirche etwa so gut wie ein Flachbildfernseher auf einen Mittelaltermarkt. Ausserdem verdeckt sie das Kirchenfenster.
(Lustigerweise ist die Orgel von einer Bonner Firma gebaut worden, und in der Festschrift zur Einweihung findet sich ein Bild vom Umzugsunternehmen unserer Vermieter.)
Was man natürlich auch nicht auslassen darf, ist das Schloss bzw, die Kasematten drumherum. Blöderweise gibt es anscheinend lediglich je eine Führung in der Woche für das Schloss (Samstags, 15.00h) und die Festungsanlagen (Samstags, 15.15h). Der aufmerksame Leser wird eine gewisse Unvereinbarkeit feststellen. Wir haben uns für die Festungsanlagen/Kasematten entschieden. War ganz interessant. Während der Führung konnte man vor allem Lernen, dass die hessischen Landgrafen zu Marburg offensichtlich zwar mit Einfluß, aber nicht gerade mit Weitsicht oder taktischem Verständnis gesegnet waren.
Das Schloss von außen ist zwar nett anzusehen, ohne Führung aber leider recht schnell langweilig.
Vom Schloss aus hat man nochmal einen netten Blick auf die Dächer der Stadt, allen voran auf die St.-Marien-Kirche mit ihrem unglaublich schiefen Dach.

Marburg

Gegen Abend sind wir dann noch auf den gegenüberliegenden Berg zum Kaiser-Wilhelm- bzw Spiegelslustturm (danke an Anne für den Tip!) gefahren, von wo aus man einen tollen Blick über die Stadt hat. Leider war es schon ziemlich dunkel und man konnte den Turm nicht mehr komplett besteigen, also haben wir den Trip einfach am nächsten Tag vor der Abfahrt nochmal gemacht. Da hatten wir dann auch das Glück, tolles Wetter zu haben.

Marburg
Marburg

Der Turm taucht nicht unbedingt immer bei den Sehenswürdigkeiten der Stadt auf; wenn man da ist, sollte man ihn aber trotzdem besuchen. Es lohnt sich offensichtlich. Nur windig is es.
 
Ein paar Dinge noch, die uns aufgefallen sind:

  • Marburg wimmelt von Studenten (20.000 Studenten bei 80.000 Einwohnern)
  • Als Folge davon scheinen die Preise in den Geschäften und Bars im Allgemeinen rech tgünstig zu sein.
  • Allerdings hat man in Marburg Zeeeeit, und alles dauert etwas länger. Wir haben recht viel Zeit mit warten verbracht.
  • Insgesamt scheint die Qualität der Läden eine andere zu sein: wir haben in der Altstadt keinen einzigen Ramschladen entdeckt.

Auffällig ist auch, dass es in Marburg im Verhältnis zum sonstigen Graffiti ausgesprochen viel Stencil Art gibt:

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Ich finde sowas wesentlich ansprechender als das übliche Kindergeschmiere.
 
 
Alles in allem ein schöner Trip. Marburg ist echt zu empfehlen.