Hermes ist echt unglaublich.
 
In den letzten zwei Monaten haben sie es tatsächlich geschafft, in meiner persönlichen Fähigkeitsrangliste der Paketzusteller deutlich an DPD vorbeizuziehen. Auf dem Weg nach unten.
 
Der Spaß fing Mitte September an. Wir hatten bei Ebay etwas praktisches, aber geringfügig sperriges ersteigert, in einem so ungewöhnlichen Format, dass ein Versand per DHL unverhältnismäßig teuer geworden wäre. und da man per Hermes gute 15 Euro Versand sparen konnte, hat der Verkäufer das Paket mit eben diesem Verein zu uns geschickt.
Oder, genauer: er hat es ihnen übergeben, in der Annahme, dass sie es zu uns schicken würden.
 
Angekommen ist es bei uns jedenfalls nicht.
 
Nach gut 10 Tagen stand im Trackingsystem bei Hermes immer noch “die Sendung befindet sich in der Zustellung”. Anstatt dass aber das Paket irgendwann bei uns ankam, erreichte uns (bzw. mich) ein Brief von Hermes, adressiert an “MORITZ VIETHOCR”, mit dem Inhalt, dass meine Adresse anscheinend nicht existiere und daher mein Paket nicht zugestellt werden könne.
 
Ich möchte an dieser Stelle nochmal besonderes Augenmerk darauf lenken, dass sie einen Brief an die Adresse geschickt haben, die laut ihrem Fahrer nicht existiert, um mich auf diesen Zustand hinzuweisen.
 
Dem aufmerksamen Leser wird aufgefallen sein, dass mein Name auf der Adresse nicht ganz richtig war, sondern sich ein paar übeflüssige Buchstaben an meinen Nachnamen geklebt hatten. Weiter Eingeweihten (wie mir) werden die Buchstaben “OCR” auch einen Hinweis darauf geben, wie diese dahingekommen sein könnten, aber da das nicht weiter zur Sache beträgt und den Laienleser eher verwirren könnte, werde ich nicht weiter darauf eingehen. Nichtsdestotrotz wohnen in unserem durchaus auffindbarem Haus außer uns genau sieben Parteien, von denen exakt keine einen Vor- oder Nachnamen hat, der den meinen auch nur ähnlich ist. “Adresse gibt’s nicht” führe ich daher allein auf die Unfähigkeit des Fahrers zurück, in die richtige Einfahrt einzubiegen.
Also direkt mal bei Hermes angerufen. Paketnummer durchgegeben, und den freundlichen Herrn auf der anderen Seite beim Versuch, den falschen Nachnamen auszusprechen, unterbrochen, bevor er bleibende Schäden an der Zunge davonträgt. Nachdem das mit dem falschen Namen geklärt und eine Neuzustellung in Auftrag gegeben war, hab ich mir nicht verkneifen können, nachzufragen, warum es denn möglich sei, einen Brief an die Adresse zuzustellen, ein Paket aber nicht. Er antwortete sinngemäß etwas in der Richtung von “Solche Briefe verschicken wir über die Post, weil die doch meist andere Möglichkeiten haben, eine Adresse aufzufinden.” Zu Deutsch: “wir wissen, dass unsere Fahrer nicht unbedingt die besten darin sind, und wenn die eine Adresse nicht finden, heißt das noch nicht viel.”
 
Die Adresse zu korrigieren hat natürlich nicht dazu geführt, dass das Paket bei mir ankommt.
 
Mein Verdacht mit “Der Fahrer ist kognitiv zu beeinträchtigt, um an der richtigen Stelle abzubiegen” war anscheinend richtig, denn nach weiteren 5 Tagen war das Paket immer noch nicht da, sondern inzwischen zweimal wieder zum Depot zurückgekehrt, einmal davon mit “Adresse existiert nicht” (die Paketverfolgung wird offensichtlich bei dem Verein per Hand “gepflegt”). Daher hat mein wertes Weib bei dem Laden angerufen, um sie zu bitten, das Paket doch einfach in die Hermesfiliale im Supermarkt auf meinem Arbeitsweg zu liefern.
Das hätten sie auch gerne getan. Wenn sie denn nicht der Meinung gewesen wären, dass es eher schlecht um das Vorhandensein dieser Filiale bestellt wäre. Also haben sie das Paket an die nächstgelegene Filiale ausliefern lassen. Direkt am Rhein, eine knapp zehnminütige Autofahrt durch eine 30-Zone entfernt (für Ortskundige: am Ende der Plittersdorfer Straße).
Da ist es dann wenigstens angekommen. Der Händler hat es mir mit den Worten “oh, da warten sie schon ein bisschen was länger drauf, oder?” übergeben.
 
Die Adresse auf dem Paket war übrigens die richtige; der Fehler muss also tatsächlich intern bei Hermes passiert sein.
 
 
Hermes hat sich dann wenigstens um Kundenservice bemüht, indem sie uns zwei Versandgutscheine geschickt haben. Nette Geste zwar, aber wenn ich gerade extrem unzufrieden mit einem Versandunternehmen bin, dann ist das letzte, was ich tun will, genau den Haufen zur Beförderung meiner Pakete zu verpflichten.
 
 
Keine Woche später hatten wir dann wieder das Glück, eine Lieferung über Hermes geschickt zu bekommen, diesmal über einen Webshop. Genauer: -der geneigte Leser wird es sich denken- geschickt, aber nicht geliefert zu bekommen. Diesmal zeigte sie Sendungsverfolgung an, dass das Paket auf dem Weg zu unserer Haustüre wäre, nachdem es sieben Tage untätig in der Zentrale gelegen hatte; allerdings nur um am nächsten Tag um den Hinweis ergänzt zu werden, dass man ja versucht hätte, es zuzustellen, aber niemand zu Hause gewesen wäre.
Lustigerweise saßen zu dem angegebenen Zeitpunkt Astrid und ich gerade beim Mittagessen. Geklingelt hat niemand. (Und auch sonst war Astrid den ganzen Tag zuhause).
 
Diese Meldung wiederholte sich für die nächsten zwei Tage, bis es mir zu bunt wurde und ich nochmal beim Kundendienst angerufen habe. Seltsamerweise war der Hotlinemitarbeiter erstaunlich offen und meinte, dass das “nicht zu Hause” lediglich “aus PR-Gründen” (Zitat) eingetragen würde, in Wirklichkeit hätte der Fahrer es zeitlich nicht mehr geschafft und sei mit dem Paket zur Zentrale zurückgekehrt.
Aha.
Ich weiß ja nicht, wie es anderen geht, aber ich halte offensichtliche Lügen für eher schlechte PR.
 
Ich hab den guten Herrn dann gebeten, das Paket doch einfach in die Hermesfiliale im Supermarkt auf meinem Arbeitsweg zu liefern. Komischerweise waren sie diesmal über die Existenz dieser Filiale informiert und meinten, dass das Paket allerspätestens am Montag um 15 Uhr (es war Donnerstag) da sein würde.
War es natürlich nicht.
Am Dienstag auch nicht.
Nächster Anruf. “Morgen Abend ist es auf jeden Fall da.” – “Ja, die Aussage kenn ich schon”.
Ich hab dann am Donnerstag Abend nochmal geguckt, und siehe da: es war tatsächlich mittags angekommen.
 
Inzwischen waren fast drei Wochen vergangen.
 
 
Nach dieser Aktion waren wir im Besitz von insgesamt drei Versandgutscheinen. Wenigstens versuchen sie, sich zu entschuldigen.
 
 
Den Vogel abgeschossen haben sie allerdings letzte Woche.
Anscheinend um zu beweisen, wie berechtigt meine Skepsis gegenüber der “Wiedergutmachung” durch Versandgutscheine ist.
 
Wir haben etwas über Ebay verkauft, und einen der Versandgutscheine genutzt, um das Paket auf Reisen zu schicken.
Weite, nicht unbedingt zielführende Reisen.
Wir haben das Paket in einen Karton von einem alten Amazon-Paket verpackt. Natürlich nicht, ohne vorher den Adressaufkleber zu entfernen und durch den Hermes-Aufkleber zu ersetzen – man will ja nicht, dass es irgendwo ankommt, wo es nicht hin soll.
Eine Woche, nachdem wir das Paket losgeschickt hatten, meldete sich der Käufer, dass da Paket noch nicht angekommen sei. Sendungsverfolgung angeschmissen – das Paket steht als “ausgeliefert” da. In Bad Hersfeld. Es sollte nach Stuttgart.
 
Bei “Bad Hersfeld” haben allerdings ein paar Glocken geklingelt – den Name liest man gelegentlich im Zusammenhang mit Paketen von einem gewissen Versandhändler.
Mal wieder Servicezentrale angerufen und Verdacht bestätigen lassen – Hermes hat es geschafft, den Adressaufkleber komplett zu ignorieren, sondern anscheinend lediglich auf die Verpackung (ein wiederverwerteter Amazon-Karton) geschaut und das Paket somit zum Amazon-Retourenservice geschickt.
 
 
 
Das lasse ich jetzt erstmal sacken.
 
 
 
Freundlicherweise haben wir eine Nummer vom Amazon-Service mit Rückruffunktion gekriegt, und die netten Menschen da haben für die richtige Auslieferung gesorgt.
 
Wir haben noch zwei Versandgutscheine. Mal gucken, was wir damit noch erleben.
DHL wird sich jedenfalls anstrengen müssen, um den Thron der unfähigsten Versanddienste zurückerobern zu können.