Die lieben Mitmenschen


Wir waren auf dem Rückweg vom IKEA. Zum zweiten Mal diese Woche, wie das schonmal passiert, wenn man an einem Tag hinfährt und zuhause beim Aufbau feststellt, dass man ein wichtiges Kleinteil vergessen hat. (Nebenbei: um kurz vor 8 unter der Woche im IKEA zu sein ist super. Dann ist der Laden ungefähr so leer wie ein Karnevalsgeschäft an Aschermittwoch).

Ich bog von der B9 ab, in die Rheinallee und dann auf die Straße, die hinter der Museumsmeile parallel zur Bahntrasse verläuft. Diese Straße ist viel angenehmer zu fahren, weil da wesentlich weniger los ist als auf der Bundesstraße, auf der man zwar 70 fahren dürfte, es aber selten kann, weil sie vollgestopft ist mit Ampeln und Autofahrern, die nicht ganz verstanden haben wie das mit Verkehr funktioniert. Ein Mitglied dieser Personengruppe schien sich allerdings gerade vor mir dafür entschieden zu haben, auch diesen Weg einzuschlagen. Er schlich förmlich um die Kurve, und ich jubelte schon innerlich, anscheinend hinter einem Rentner herjückeln zu dürfen. Die Karre passte dazu.
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Vor zweieinhalb Jahren habe ich mich in einem Beitrag über eine Telefonodyssee, die aus einem Stromanbieterwechsel von Yello zu eprimo und folgenden falschen Rechnungen entstand, ausgelassen. Dabei habe ich den Begriff “Servicewüste Deutschland” verwendet, einen Ausdruck, den ich zwar eigentlich nicht leiden kann, welcher da aber wie die Faust aufs Auge gepasst hat.
Dieser Beitrag ist mit Abstand der meistgelesene in meinem Blog; fast täglich landet da jemand drauf. Es reicht inzwischen aus, nach “eprimo” und “Problem” oder “Ärger” zu googlen. [Das Eis mit Windpocken ist dank der Bildersuche knapp dahinter]

Da ich diesen Begriff aber nunmal überhaupt nicht leiden kann, habe ich mich entschieden, hin und wieder über Oasen in dieser Wüste zu schreiben: Orte, an denen man im Normalfall ausnehmend freundlich behandelt wird und auch mal Dinge tut, die eben nicht der Vorschrift entsprechen oder in den eigenen Zuständigkeitsbereich fallen.

Den Anfang macht das Finanzamt Bonn-Außenstadt.
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Gute Idee: Den Besitzer eines Email-Kontos per Mail darauf hinweisen, dass das Postfach bald voll ist.
Schlechte Idee: Selbiges so oft zu wiederholen, bis tatsächlich kein Platz mehr ist.

[Ja web.de, ich gucke dich an.]

Wir haben uns letztens halb-spontankaufmäßig bei Neckermann ein neues Besteckset bestellt, um mal unsere zusammengewürfelte Besteckschublade etwas einheitlicher zu gestalten. Sieht ganz gut aus, hält sich auch gut in der Hand, alles in allem brauchbar.

Dachten wir.
Nach etwa zweieinhalb Wochen durften wir feststellen, dass die Beschichtung des Bestecks in der Spülmaschine an manchen Stellen abblättert und das Metall darunter anrostet. Ganz toll.

Also haben wir eine höfliche Mail an den Kundenservice geschrieben, dass wir uns erwartet hätten, dass das Besteck auch spülmaschinentauglich sei, und dass wir doch gerne unser Geld zurück oder ein gleichwertiges Set hätten, aber auch für andere Vorschläge offen wären.

Die lakonische Antwort:

Nach erfolgter Prüfung möchten wir Ihnen mitteilen, dass in der Artikelbeschreibung kein Hinweis hinterlegt ist das dieser Artikel für die Spülmaschine geeignet ist.

Einen Umtausch oder Rücknahme können wir Ihnen leider nicht anbieten.

Spülmaschinentauglichkeit ist auch nun wirklich nicht etwas, was man bei Edelstahl voraussetzen kann.

Der Bundestagswahlkampf kommt natürlich -wie auch der Kommunalwahlkampf- nicht ohne eine Reihe durchaus fragwürdiger Plakate aus.
Die ganzen hohlen Sprüche, mit denen man zugeballert wird (”Mehr Brutto vom Netto”, “Wir wählen die Kanzlerin”, “Deutschland kann mehr”, “Reichtum für alle!”) werden dabei allerdings von einem Plakat der BüSo (Bürgerrechtsbewegung Solidarität) weit in den Schatten gestellt. Es könnte durchaus den Herrn Knülle noch neidisch machen.
 
Das Plakat, das aussieht, als wäre es vom Parteipraktikanten nach einem dreistündigen Photoshop-Kurs als Hörbuch angefertigt worden, zeigt Helga Zepp-LaRouche, die Kanzlerkandidatin der BüSo (ja, richtig gelesen) vor der Frankfurter Skyline. Das beste an dem Plakat ist aber der Spruch:
 

Wir haben das Patentrezept

 
Ja, nee, is klar.
Ich dachte mir, dass die anscheinend die Selbstironieschiene fahren und hab mich mal informiert.
 
Die meinen das ernst.
Das Ziel von dem Verein ist quasi eine Weltrevolution, zumindest wirtschaftlich. Sie wollen Weltfrieden, so viel Atomkraft wie möglich, die Wiedereinführung der D-Mark und glauben nicht an den Klimawandel. Das habe ich mir nicht ausgedacht.
 
Ich hab das Gefühl, dass das mehr ein Sekte als eine Partei ist.
Sie verstehen sich als Teil der LaRouche-Bewegung, ein Haufen Organisationen, die dem “Politker” Lyndon LaRouche (das ist der, der Obama mit Hitler verglichen hat, weil er das Gesundheitssystem reformirern will). Ja, die Nachnamensgleichheit mit der Kanzlerkandidatin ist kein Zufall.
 
Zum Glück sind die anscheinend die einzigen, von denen sie ernstgenommen werden. Und mit den Wahlplakaten schaffen sie es bestimmt, auch die Zufallswähler zu vergraulen.

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