Die lieben Mitmenschen


Es gibt ja im Normalfall wenig, was an meinen Nerven so zerrt wie Radiowerbung…

Heute morgen:

[komische „Jingle“ mit spacig-flüsternder Männerstimme]:
„TRENDSsss!“
[nervige Frauenstimme]:
„www.feminismus-wochen.de“ [„minus“ ausgesprochen]
„TRENDSsss!“
„www.feminismus-wochen.de – Nur für uns Frauen!“
„TRENDSsss!“
„www.feminismus-wochen.de – Es ist toll, eine Frau zu sein!“
„TRENDSsss!“ [spätestens an dieser Stelle war ich ein wenig mehr als nur leicht genervt]
„www.feminismus-wochen.de
Jetzt nur beim Möbelhaus ‚Trends‘!
Nie war Möbelkaufen für Frauen schöner!
Viele Artikel reduziert – nur für Frauen! Zum Beispiel Küchen!“
 
 
Ich hab lang nicht mehr laut losgelacht beim (alleine eingenommen) Frühstück.

Die Werbung ging noch irgendwie weiter, aber ich war nich tmehr in der Lage, das mitzukriegen.
Entweder ist das eine sehr gut gemachte, bösartige Satire, oder da jemanden tatsächlich nicht bewusst, was er da von sich gibt.
Ich bin mir noch nicht ganz schlüssig, welche Möglichkeit mir besser gefällt 😉

Gestern abend im Zug:
Im Vierer auf der anderen Seite des Ganges sitzt mir schräg gegenüber ein älterer Mann, recht gut gekleidet und, wie mir später auffällt, mit Priesterkragen.
Dieser Mann schimpft hin und wieder zusammenhanglos irgendwelche Sätze vor sich hin. Wie sonst die Alkoholiker in der U-Bahn.

Allerdings auf Latein.

Eben am Hauptbahnhof:
Wir (Micha, Nadine und meine Wenigkeit) steigen in ne Bahn ein.
Und sehen ne Frau in Unterwäsche, die sich gerade Rock und Strumpfhose hochzieht.

Manche Dinge will man einfach nicht wissen…

Es is mir echt jedesmal ein Wunder.
Der real in St. Augustin schafft es doch immer wieder, eine noch langsamere Kassiererin zu finden, die sie in den 1. Stock setzen können.

Ich stand eben da an der 10-Teile-Kasse, vor mir 4 Leute.
Kein „Frau Mülleeer, Stoornoooo!“.
Keine Kartenzahlung.
Kein Großeinkauf.
Keine Rentner.
Keine sonstigen Unregelmäßigkeiten.
Trotzdem hat das mal lockere 10 Minuten gedauert, bis ich mal dran kam.

Währenddessen bin ich nicht umhin gekommen, dem tollen Supermarktradio zu lauschen. Da wurde grad irgendsone Tuse interviewt, anscheinend die hauseigene „Modeexpertin“. Allein an der Stimme und der Art zu sprechen konnte ich mir bildlich vorstellen, wie die aussieht. Sonnebanküberbräunt, große goldene Kreolen an den Ohren, stufig geschnittene, haarsprayzerstörte Haare und mehr Schminke als ein Zirkusclown.
Diese Frau sprach über die Trendlooks des nächsten Sommers. Anscheinend gibt es da den „Argentina-Look, das is so eine Art Spanish-Folk-Look mit südamerikanischem Touch“ oder auch den „Sporty Look“ und noch so einige Schwachsinnigkeiten. Der große Trend wird jedenfalls der „Argentina-Look“ sein. Gut zu wissen.
Bis jetzt hab ich immer geglaubt, dass Trends entstehen, indem jemand etwas macht oder anbietet, andere Leute das gut finden und das dann übernehmen.
Das Trends ein halbes Jahr im Voraus beschlossen werden, ist mir neu. Aber Hauptsache, man ist in und fällt nicht aus der Reihe.
Mäh.

Vorgestern im Zug nach Köln.

Der Zug steht einigermassen lange am Bahnhof Brühl. Dann auf einmal ne Durchsage vom Schaffner:
„Ja, was glaubt ihr eigentlich, warum da so viele Türen am Zug dran sind!? Damit ihr Schafe alle durch die gleiche einsteigt?“

Einstiegsverhalten einer Horde Menschen in zwei kurzen Sätzen prägnant beschrieben.
Herrlich.

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