Die lieben Mitmenschen


Gestern am Bahnhof Siegburg.
Das Bahnhofsgebäude betritt man durch eine Glasschiebetür (a.k.a Supermarktportal). Diese Tür hat die Eigenschaft, sich manchmal etwas unentschlossen zu gebärden, wenn sie gerade dabei ist, sich genüsslich zu schließen und sich ihr gleichzeitig jemand in Hindurchtretungsabsicht nähert.
Dies wurde einem jungen Mann zum Verhängnis, so dass er nur mit der linken Körperhälfte die Tür passieren konnte bzw. hätte können, mit der rechten aber schön hängenblieb.

Er trug ein T-Shirt mit dem Aufdruck „The Open Door“.

Wenn man oft genug Auto fährt, entwickelt man irgendwann glücklicherweise ein Gespür dafür, welche Mitstraßenbevölkerer Kandidaten dafür sind, sich verkehrsgefährdend zu verhalten.
Wäre das nicht der Fall, läge ich jetzt wahrscheinlich im Krankenhaus und mein Auto aufm Schrottplatz.

Ich war unterwegs auf der A59 Richtung Bonn, kurz vorm Dreieck Beuel Bonn-Nordost. Die Autobahn ist da dreispurig, wobei die rechte Spur irgendwann zur Abbiegespur auf die A565 über den Rhein wird. Kurz vor dem Abbiegen schwenkt die Spur ein Stück nach rechts, um Platz für einen zweite Abbiegespur zu machen, auf die man von der mittleren Spur aus fahren kann.
Und da ich mich des Gefühls nicht erwehren kann, dass diese Beschreibung nicht gerade Bilder im Kopf, sondern eher ein gepflegtes „Häh?“ hervorruft, habe ich dazu mal ein Diagramm gezeichnet von einem einarmigen Blinden zeichnen lassen:

Rembrandt

Ich war auf eben jener mittleren Spur unterwegs, um auf eben jene zweite Abbiegespur zu wechseln. Neben mir fuhr ein Auto auf der ersten Abbiegespur. Und genau bei diesem Freund hatte ich das Gefühl, dass er ein Kandidat für Sondermanöver ist. Also hielt ich mich leicht versetzt dahinter und behielt ihn im Auge. Und genau an der Stelle, wo seine Spur nach rechts schwenkte und ich auf die neue Abbiegespur fahren wollte, fuhr er… geradeaus über die durchgezogenene Linie. Genau dahin, wo sich mein Auto gerade hinbegeben würde, wenn ich sowas nicht erwartet hätte. Bei 100km/h, wohlgemerkt.
So durfte ich einmal so kräftig Bremsen, dass der Rucksack auf dem Beifahrersitz sich aufmachte, um das Handschuhfach zu küssen, und mich währenddessen auf die Hupe stellen. Aber zumindest weiterfahren. Und einen gepflegten kräftigen Wutschrei ablassen.
 
Und dieser Depp scheint das noch nichtmal mitbekommen zu haben. Es folgte jedenfalls keine sichtbare Reaktion, weder Bremsen, noch Gas geben, noch irgendein als Entschuldigung deutbares Verhalten. Er fuhr einfach unbeirrt weiter, und dann sogar wieder von der Abbiegespur runter.
Natürlich nicht, ohne erst während des Rüberziehens zu blinken und sich jemand anderem vor die Nase zu setzen.

Fehlplazierte Kleidung: Leder-Motorradkluft, komplett mit „LuckyStrike“- und „Racing“-Aufdruck.

Auf einem Mofaroller.

Eben im ICQ:

(15:21:48) Tommy: sehr schön, gerade unser seriöser Nachrichtensender n24: „Das Camp der NATO-Gegner steht auch Mitgliedern des schwarzen Blocks offen, soll heißen: nicht nur friedliche, auch gewaltbereite Randalierer sind willkommen“
(15:24:12) Tommy: ob diese „Journalisten“ der deutschen Sprache nicht mächtig sind oder das Absicht war, überlasse man der Interpretation der Rezipienten

Die Sprüche von Fußballkommentatoren sind üblicherweise so grausam, dass sich selbst mir als Liebhaber schlechtester Witze der Magen zusammenzieht.

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