Die lieben Mitmenschen


Eine kleine Bemerkung zum Amoklaufhype sei trotzdem gemacht, da sie genereller Natur ist und jetz nur zufällig im Zusammenhang auftaucht.

Warum wird in Medien eigentlich immer von einem „Chat“ geredet, wenn geschriebene Interaktion im Internet das Thema ist; egal, ob das Subjekt ein Forum, ein BB, eine Newsgroup oder was auch immer ist?

[Anmerkung: den Gedanken habe ich selbst in einem Chat (in der eigentlichen Bedeutung des Wortes) aufgefasst.]

Ohne wirklichen Eigencontent heute, dafür aber mit Verweis auf einen wirklich lesenwerten Text bezüglich des Amoklaufes in Winnenden bzw. dem Trara, das deswegen gemacht wird. Ich bin dieses ganze hohle Drumrumgeblubber gepaart mit Strohfeueraktionismus so derartig leid, dass ich mich zwar in epischer Breite drüber auslassen könnte, es aber einfach nicht will.

Dazu ist der Artikel von Björn Grau durchaus ein angenehmer durchdachter Gegenpol.

Wird Warteschleifenmusik eigentlich in der Absicht ausgewählt, den Kunden schon seines letzten Nerves zu berauben, bevor er überhaupt mit irgendwem gesprochen hat? Oder ist sie vielleicht darauf ausgelegt, vor jeglichem Mitarbeiterkontakt den Willen des Anrufers zu brechen?
Irgendeinen Grund muss es doch dafür geben, dass dafür ausschließlich entweder belangloses Rumgedüdel verwendet wird, das jeden Fahrstuhlhersteller längst hätten pleite gehen lassen, oder aber bekannte Melodien, die so menschenverachtend umarrangiert werden, dass sie wieder in die erste Kategorie fallen.

Ich hab jedenfalls noch nie Musik aus dem Hörer tönen gehört, die mir wirklich die Zeit vertrieben hätte. Eher im Gegenteil.
 
 
Unter all diesen fiesen Berieselungen gibt es aber noch eine Variation, die mich trotz meiner normalerweise doch recht hohen Geduld an den Rand des Wahnsinns bringt: eingeblendete „Bitte warten.“-Ansagen, vorgetragen im schlimmstmöglichen übertrieben-verständnisvoll-aufgesetzt-freundlich-Tonfall.
Diese Ansagen tragen mit sich, dass der Akustikterror unterbrochen wird, und man die Beschäftigung (die man unweigerlich aufnimmt, während man den Hörer auf etwas Abstand hält) in der Erwartung unterbricht, endlich mal etwas entfernt menschliches an der Leitung hat, dem man seine tiefsten Wünsche vortragen kann*, nur um dann festzustellen, dass man lediglich nochmal darauf hingewiesen wird, dass man gerade eine Ewigkeit warten muss. Nicht, dass man das noch vergisst!
Danke auch.

Ohne wirklichen konkreten Anlass möchte ich an dieser Stelle einmal auf meine liebste Passage aus der Beschreibung des Hauptgebäudes meiner werten Hochschule hinweisen:

Die gesamte Gebäudegestaltung ist von den Leitideen einer frauengerechten Bauweise getragen mit Schwerpunkten in Orientierung, Sicherheitsempfinden, Aufenthaltsqualitäten, Kommunikation, Identifikation und sozialer Kontrolle.
Die Bedingungen für behindertengerechtes Bauen wurden in horizontaler und vertikaler Erschließung in sozialer, räumlicher und sicherheitstechnischer Hinsicht berücksichtigt.

Ich lasse das mal so stehen und bitte die geneigte Leserschaft um Interpretation in den Kommentaren.

Eine Nebenwirkung der letzten 8 Jahre ist, dass wenn ich die Phrase „katastrophale Busch-…“ höre, „Feuer“ nicht das Wort ist, das ich als nächstes erwarte.

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